Der Pavian mit dem blutenden Herzen

Der Gelada Pavian ist eines der faszinierendsten Säugetiere und in
Äthiopien endemisch. Genau genommen ist er nicht wirklich ein Pavian,
sondern stellt vielmehr eine eigene Gattung von Affen.
Er ist der bei weitem geschickteste aller nichtmenschlichen Primaten und
bildet die größten sozialen Gemeinschaften (angeblich wurden Gruppen von
bis zu 800 Mitgliedern gesichtet, wir sahen bis zu 200 dieser Tiere an
einen Platz, aber auch Einzelgänger) und ist der einzige Primat, der
sich von Gras ernährt und der seine „Sexualhaut“ auf der Brust und nicht
am Hinterteil trägt - sicherlich eine Anpassung an seine Lebensweise,
bringt er doch die meiste Zeit grasend im Sitzen zu.
Der Gelada hat das komplexeste Kommunikations- und Sozialsystem aller
nichtmenschlichen Primaten. Die Weibchen entscheiden, wer der Chef ist,
die jungen Männchen bilden Gruppen von Junggesellen und die älteren
Männchen üben eine Art Großvaterrolle aus, indem sie über die Jungen
wachen.
Obwohl die Männchen großartige Löwenmähnen zur Schau tragen, ist doch
ihr auffälligstes Merkmal der Flecken unbehaarter Haut auf ihrer Brust.
Die rötliche Farbe dieses Bereichs hat ihnen den volkstümlichen Namen
„Das blutende Herz“ gegeben. Der Rotton, der hier zur Schau getragen
wird, ist eine Art sexuelles Barometer und zeigt an, wie es um die
Männlichkeit beziehungsweise um die Fruchtbarkeit bestellt ist.
Unglücklicherweise ist der Gelada vom Aussterben bedroht, weil sein
Lebensraum, die Bergregionen im äthiopischen Hochland bis zu einer Höhe
von 4200 m, mit großer Wahrscheinlichkeit der globalen Erwärmung zum
Opfer fallen wird.
Nach einer Vorlage in „Ethiopia & Eritrea“, Lonely Planet Publications
Pty Ltd, November 2003