Off-Road-Safari II - Die Chyulu Hills

Nordöstlich des Amboseli Nationalparks befinden sich die Chyulu Hills,
ein wildes, unzugängliches Gebiet, in das sich nur selten Touristen
verirren. Die Gegend soll allerdings von großartiger Schönheit sein und
so reizt es uns doch, dort eine Runde zu drehen.
Wir haben eine Wegbeschreibung, die ausreichend exakt zu sein scheint,
allerdings schon einige Jahre alt ist. Relativ problemlos finden wir die
am Fuße der Berge liegende Lodge, die über einen eigenen Airstrip
verfügt, über den Besucher und Verpflegung eingeflogen werden. Auf dem
Flugfeld zieht eine große Gruppe von Giraffen majestätisch ihre Bahnen
und im Gebüsch wimmelt es nur so von allerlei Antilopen. Immer wieder
kreuzen Zebras und Gnus die staubige Piste.
Hinter der Lodge ändert sich das Bild. Die Piste führt steil den Berg
hinauf, immer wieder sind tiefe Erosionsrinnen zu queren und manch ein
Weg endet im Busch bei einer verlassenen Hütte. Weiter oben am Berg sind
keine Spuren einer Besiedlung mehr zu erkennen, einmal kommt uns
allerdings eine große Herde Rinder ohne Hirten entgegen, die wir in die
Büsche treiben müssen, um passieren zu können.
Der Bewuchs auf der Piste wird immer dichter, bald stehen Gras und
Büsche höher als der Wagen, so dass der Verlauf des Weges kaum mehr zu
erkennen ist. An vielen Stellen ist die Piste so stark ausgewaschen,
dass der Landcruisers in gefährliche Schräglage gerät. Umfahrungen sind
in dem steilen, dicht bewachsenen Gelände kaum zu finden. Oft kommen wir
kaum im Schritttempo voran.
Oben am Kamm ist die Landschaft von unwirklicher Schönheit. Rollende
Hügel, streichelweich geschwungen, saftig grün. Und diese wilden Blumen
und die Blüten auf den Bäumen. Und diese Stille. Und das Licht.
Es ist nachmittags um vier und das GPS zeigt noch rund 40 km zum
nächsten bekannten Punkt. Das ist in diesem Gelände vor Einbruch der
Nacht (in diesen Breiten wird es ganzjährig zwischen 6:00 und 7:00 Uhr
dunkel) nicht mehr zu schaffen. Wir suchen einen Platz mit schöner
Aussicht und parken einfach auf dem Weg. Eine Elenantilope wünscht uns
eine gute Nacht.
Mit den ersten Sonnenstrahlen ist er wach und majestätisch erhebt er da
sein schneebedecktes Haupt aus einem Meer aus rosa Wolken: Der
Kilimanjaro ragt rund 70 km südwestlich von hier gut 4500 Meter hoch aus
der Savanne. Er ist der höchste Berg Afrikas und der höchste
freistehende der Welt. Der Anblick raubt den Atem. Drei Antilopen
stellen sich in Pose vor dieser herrlichen Kulisse und eine Giraffe
beäugt uns argwöhnisch ehe sie in einem weiten Bogen ihres Weges zieht.
Wir brechen wieder auf und kämpfen uns durchs Dickicht. Bald geht es
wieder steil bergab und die Kehren sind zum Teil so eng, dass wir den
Wagens zurücksetzen müssen. An einer Stelle ist der Weg zum Tal hin
abgebrochen. Die Fahrbahn wird dadurch so schmal, dass man nicht
passieren kann. Wir prüfen den Untergrund sorgfältig auf Festigkeit und
balancieren den Wagen schließlich zur Hälfte durch den Busch Zentimeter
um Zentimeter an dem großen Loch vorbei. Bald überfahren wir einen
umgestürzten Baum, verlieren wieder mal den Weg an einer von hohem Gras
bestandenen Kuppe und enden schließlich vor einer großen Stufe. Hier
geht nichts mehr. Wir stärken uns mit einem kräftigen Frühstück und
machen uns dann an die Arbeit. Mit den Schaufeln bearbeiten wir den
Untergrund und legen eine Schräge und nach kaum einer halben Stunde ist
auch dieses Hindernis passiert.
Wir kommen an eine Weggabelung. Die Ruine eines Rangerpostens ist hier
zu erkennen. Die Chyulu Hills sind offiziell ein Nationalpark, das
Einfordern der Gebühren scheint sich jedoch hier nicht zu lohnen und so
hat man diesen Posten offenbar vor Jahren aufgegeben. Die Inschrift auf
dem morschen Wegweiser ist leider nicht mehr zu entziffern und die
Strecke, die unsere Wegbeschreibung schildert, haben wir wohl gestern
schon verloren. Wir entscheiden uns für den direkten Weg ins Tal. Im
ersten Gang Untersetzung rutschen wir über loses Geröll bergab, kriechen
durch tiefe Löcher und brechen durchs Gebüsch. Wieder werden wir von
Giraffen bestaunt und schrecken immer wieder Wildschweine und Antilopen
auf.
Am Nachmittag erreichen wir eine Piste im Tal, die offenbar öfter
befahren wird. Hier wenden wir uns nach Südwesten und erreichen nach
eineinhalb Stunden Oloitokitok.
Der kleine Ort mit dem Zungenbrechernamen, von Einheimischen gerne
schlicht LTK genannt, liegt an der Grenze zu Tansania (die für Ausländer
hier allerdings offiziell nicht passierbar ist) am Fuße des Kilimanjaro.
Wir sitzen auf der Terrasse des Hotels, in dessen Garten wir campieren
und genießen den herrlichen Ausblick auf den weißen Riesen.
Im Ort gibt es zwei Tankstellen, eine davon ist allerdings geschlossen.
Wohl mangels Kundschaft. Die Zapfsäulen stehen gut einen Meter über der
ausgewaschenen Piste, die durch das Dorf führt. Die einzige Werkstatt
hier ist wohl auf Geländewagen spezialisiert, die Zufahrt jedenfalls ist
für normale Autos nicht befahrbar. Es gibt richtige gemauerte Häuser,
die meisten Gebäude sind jedoch kleine bunt bemalte Holzhütten und auf
dem Gemüsemarkt findet man zwei Zwiebeln hier und drei Tomaten da. In
einer Bar gibt es einen Fernseher und zu den Abendnachrichten findet
sich das halbe Dorf dort ein und bildet Schlangen bis hinaus ins Dunkel.
Gleich zwei Gruppen von Wanderpredigern tragen zur allgemeinen
Unterhaltung bei und die Menschen hier sind freundlich und
unaufdringlich.
Wir bleiben zwei Nächte und als wir wieder starten wollen geht nichts
mehr: Der Anlasser macht keinen Mucks, die Starterbatterie ist leer. Wir
starten mit den Zusatzbatterien und fahren weiter immer entlang der
Grenze nach Taveta. Hinter LTK sind 20 km asphaltiert, dann folgt eine
Piste, die immer schlechter wird. Etwas abseits dieser Strecke gibt es
einen Kratersee und auf den Kraterrand steht eine Lodge. Die jedoch ist
längst verlassen und die verfallenen Chalets wirken gespenstisch in
dieser mystischen Umgebung.
Taveta ist ein total verdrecktes Grenzkaff und der Weg zum Hotel (seit
Wochen übernachten wir zum ersten Mal in einem Zimmer) führt über Berge
von Müll. Das Hotel ist einfach, aber sauber, das Essen vorzüglich und
billig und vom Balkon im zweiten Stock kann man das Treiben in der Stadt
beobachten: Da in dem Hinterhof wäscht sich eine nackte Frau und dort
transportiert einer auf einem Fahrrad eine komplette
Wohnzimmereinrichtung. Immer wieder zeigt der Kilimanjaro seinen Schnee,
die Wolken um den Gipfel bilden lustige Figuren und als die Sonne
untergeht leuchtet alles rosa.