Off-Road-Safari III – Um den Mt. Meru

Die Grenzeformalitäten sind schnell erledigt. Im Niemandsland
zwischen Kenia und Tansania herrscht reger Verkehr: Fahrräder, meterhoch
aufgetürmt mit industriellen Fertigprodukten wie Zucker und das
Saftkartons werden von Kenia nach Tansania, landwirtschaftliche Produkte
wie Zuckerrohr oder Mais in umgekehrter Richtung über die miserable
Piste gezerrt. Jenseits des Tansanischen Grenzpostens bester Asphalt:
Wir sind unterwegs nach Moshi, einem der Haupttouristenorte Tansanias.
Hier befindet sich der Ausgangspunkt für die Besteigung des Kilimanjaro.
Tausende von Hobbykraxlern erklimmen Jahr für Jahr den Berg und in der
Stadt kämpft manch ein Bleichgesicht in seinem Leihwagen mit dem
Linksverkehr. Es gibt sehr gute Restaurants mit internationaler Küche,
Bankautomaten und ein schnelles Internetcafé, doch eine neue Batterie
für unseren Wagen ist hier nicht zu finden. In der Toyota-Werkstatt wird
deshalb die Starter- mit der Zusatzbatterie getauscht, nur leider kennt
man sich nicht aus mit all den Kabeln und als wir nach dem Abendessen
die Stadt verlassen wollen, geht das Licht nicht mehr. Wir organisieren
ein Taxi, das den Weg zum Camp ausleuchtet, und können am nächsten Tag
bei Tageslicht den Fehler problemlos selbst beheben.
Ursprünglich hatten wir geplant, ans Meer und dann entlang der Küste
nach Kenia zurück zu fahren, wollen aber trotzdem die Gegend um den
zweithöchsten Berg des Landes, den Mount Meru, nicht auslassen und
fahren deshalb jetzt ein Stück nach Westen nach Arusha. Arusha liegt auf
1400 m über dem Meeresspiegel und trotzdem mutet die Umgebung tropisch
an: Überall wachsen Bananen, Mangos und Papayas und es gibt zahlreiche
Flüsse und kleine Seen in der Gegend. Auch diese Stadt ist vom Tourismus
geprägt, starten von hier aus doch die Safaris in die großen Parks des
Nordens, und auf dem Campingplatz ist Party bis am Morgen. Doch wie so
oft muss man nicht weit fahren, da trifft man keine weiße Seele mehr und
auch die Landschaft ändert sich dramatisch, als wir im Nordwesten des
Mount Meru vom Asphaltband fahren und wieder wildes Land unter die Räder
nehmen. Das Land ist staubig, trocken, dornig und wenn es mal ein
Flussbett gibt dann meistens ohne Wasser und erst am Nachmittag haben
wir gelegentlich mit Schlamm zu kämpfen. Bald kommen wir zu einem großen
Markt. Mit Silberschmuck und Perlen reich behängte Masai bieten im
bunten Getümmel ihrer Tücher ihre Waren an, meist auf dem Boden sitzend.
Die Menschen hier leben in Rundhütten, sauber mit Lehm und Kuhdung
verputzt und wenn wir anhalten nähern sie sich vorsichtig dem Wagen.
Alle sind freundlich, niemand bettelt und auch fürs fotografieren müssen
wir nicht bezahlen.
Einmal reißt der Himmel auf und Mr. Meru zeigt sein Haupt, doch der
Kilimanjaro, bald zu unserer Linken, ist in schlechter Stimmung und
bleibt den ganzen Tag verhüllt. Wildtiere gibt es nicht in dieser
Gegend.