Off-Road-Safari IV – Zum Lake Jipe

Wir fahren zurück nach Moshi und von dort weiter nach Südosten.
Unweit der Straße gibt es einen See, durch den die Grenze zwischen
Tansania und Kenia verläuft: Der Lake Jipe. Jenseits des Sees, in Kenia,
reicht ein Park bis an das Wasser (der berühmte Tsavo West
Nationalpark), und wir versprechen uns, am anderen Ufer Wildtiere beim
saufen beobachten zu können.
Die Piste stellt keine besonderen Anforderungen, aber die Orientierung
fällt nicht leicht. Wieder einmal hat der auf der Karte dargestellte
Verlauf der Piste wenig mit der Wirklichkeit zu tun. Aber wir fahren
durch eine wunderschöne Landschaft, riesige Baobabs, Palmen und viele
wilde Blumen säumen die Piste und die Menschen in den kleinen Dörfern
rufen uns freundlich nach. In einer Herde Rinder geht's weniger
friedlich zu: Zwei kräftige Bullen schlagen die Köpfe gegeneinander und
schieben sich schnaubend hin und her. Bald rammen sie das Auto. Tanja
springt aus dem Wagen und macht Fotos. Da greift der Hirte ein, treibt
seinen Stock zwischen die Kontrahenten, einer der Bullen flieht und
Tanja kann sich gerade noch ins Auto retten.
Wir scheinen den See schon fast erreicht zu haben, da entfernt sich die
Piste wieder und wir wollen schon aufgeben, als wir einen kleinen
Abzweig finden. Tatsächlich führt uns der schmale, sandige Weg
geradewegs in ein kleines Dorf am See. Der allerdings ist nicht zu
sehen: Papyrus und Schilf, meterhoch, versperren den Blick. Im Dorf weiß
man Rat: Mit einem Einbaum könne man uns hinaus bringen auf den See,
verspricht man uns, dafür allerdings sei’s jetzt zu spät. Wir
beschließen, beim Dorf zu übernachten. Der Bürgermeister stellt zwei
Männer ab, die uns beschützen sollen, Raubtiere soll es geben und man
weiß ja nie. Auf einer Anhöhe in der Nähe machen wir ein Lagerfeuer und
verbringen eine ruhige Nacht.
Am frühen Morgen geht's raus auf den See. Der Einbaum allerdings hat
kaum eine Hand breit Wasser unterm Kiel und so ziehen und schieben uns
zwei schwitzende Männer durch den Schlamm, in dem sie selbst oft bis zum
Po versinken. Uns ist das peinlich und wir wollen helfen, doch sie
wollen keine Hilfe und schuften weiter, schließlich gibt es Geld dafür.
An beiden Seiten wuchert meterhoch das Grün, die Trasse ist meist kaum
so breit wie unser Boot, da kommt uns gar noch eins entgegen. In dem
sitzt ein Schmuggler aus Kenia und der packt tatkräftig mit an und kennt
den Weg und nach vielleicht einer Stunde sind wir tatsächlich auf dem
See.
Das Weiß des schneebedeckten Kilimanjaro kontrastiert aufs Fotogenste
mit dem Grün des dichten Schilfs und dem Blau des grenzenlosen Himmels.
Das andere Ufer allerdings ist weit und Tiere sehen wir keine.
Die Weiterfahrt nach Süden führt durch herrliche Natur. Die Piste windet
sich am Fuß der Pare Mountains durchs Gelände und ganze Teppiche bunter
Blumen säumen den Weg, der manchmal kaum mehr zu erkennen ist, so üppig
grünts hier aller Orten.
Zurück an der Hauptstraße fahren wir entlang endloser Sisal-Plantagen
weiter nach Südosten und erreichen am Nachmittag ein Camp an einem
Fluss. Wir campen direkt am Wasser und schauen den Krokodilen beim
Sonnenbaden zu bis die Sonne glutrot hinter den Schirmakazien
versinkt...