Der Amboseli Nationalpark ist neben der Masai Mara das wohl
berühmteste der zahlreichen Schutzgebiete Kenias. In den mit noch nicht
einmal 400 km² für afrikanische Verhältnisse lächerlich kleinen Park
treten sich schätzungsweise 1000 Elefanten auf die großen Füße, so
viele, dass man das Gebiet zum Schutz der Umgebungen mit einem
Elektrozaun eingefasst hat - immerhin frisst jeder der Dickhäuter etwa
180 kg Grünzeug täglich! Die eigentliche Attraktion des Parks aber ist
nur geliehen: Jedes Kind kennt die Bilder vom Elefanten vor der
grandiosen Kulisse des schneebedeckten Kilimanjaro - der aber steht in
Tansania. Und so liegt die Idee nahe, einmal den schmalen Streifen Land
zwischen dem Amboseli Nationalpark und der Grenze genauer unter die Lupe
zu nehmen, zumal der Park pro Person immerhin 40 US-Dollar Eintritt
kostet.
Wir fahren nach Namanga, dem Grenzort zwischen Kenia und Tansania
westlich des Parks und holen Erkundigungen ein. Unsere elektronische
Karte zeigt einen See, der die Zufahrt zum südwestlichen Eingang des
Parks versperrt, aber der freundliche Grenzbeamte versichert uns, der
See liege trockenen und die Piste sei problemlos passierbar. Also
speisen wir den Computer mit den Zielkoordinaten und halten darauf zu.
Die Gegend ist außerordentlich wildreich. Schon bald sehen wir
verschiedene Antilopenarten, unter anderem Gnus, aber auch Zebras und
vereinzelte Giraffen, der Kilimanjaro allerdings bleibt hinter Wolken
verborgen.
Die Ranger am Kitirua Gate wollen uns weismachen, südlich des Parks gebe
es keine Wege, aber auf der Karte sehen wir Dörfer und schließlich gibt
es „Dinge, die braucht man nicht unbedingt - Wege zum Beispiel“ (Motto
des Landcruiser Forums buschtaxi.de). Die Dörfer bestehen aus wenigen
rechteckigen Lehmhütten, den typischen Behausungen der Masai und die
zeigen sich entgegen ihrem Ruf freundlich und zurückhaltend und weisen
uns die Richtung.
Südliche der östlichen Grenze des Parks bleibt nur ein schmaler Korridor
bis zur Grenze zu Tansania. Dort fahren die Safarifahrzeuge der
Pauschaltouristen aus dem Park und besuchen nahe gelegene Masai Dörfer,
Tanzvorführungen werden geboten und Schmuck verkauft. In der Nähe einer
solchen Siedlung halten wir an und wollen einen Königskranich
fotografieren. Sofort werden wir aggressiv angegangen und aufgefordert,
Eintrittsgeld zu bezahlen. Wir bleiben ruhig und lachen über die Idee,
dass sich ein Masai einen Königskranich als Haustier hält - ist doch
bekanntlich das Rind sein Ein und Alles - die Masai lassen uns ziehen.
Als es dämmert suchen wir einen Standplatz bei einem Dorf, niemand will
aber für unsere Sicherheit garantieren und wir werden auf eine nahe
gelegene Lodge verwiesen. Dort ist man ziemlich fein und will keine
Camper auf dem Parkplatz stehen sehen und so fahren wir weiter nach
Kimana. Kimana ist ein staubiges Nest, für die Ortsdurchfahrt ist ein
geländegängiges Fahrzeug erforderlich, die vereinzelte Petroleumslampe
beleuchtet die Hauptstraße doch nur unzureichend und der Hinterhof, der
uns zur Übernachtung angeboten wird, wirkt nicht gerade einladend.
Wir verlassen den Ort mit unbekanntem Ziel in südliche Richtung und
finden einen Polizeiposten, wo man uns nach anfänglichem erstaunten
Zögern Asyl gewährt.