Reisepraktische Informationen Libyen
Visum, Ein-, Aus- und Durchreiseformalitäten
Voraussetzung für die Erteilung eines Visums ist die Einladung einer
libyschen Reiseagentur (z.B. Azar Tours, Zuara oder Winrik,
Tripolis). Das Visum
ist nur im Heimatland (nicht in Tunesien!) erhältlich und läuft vier
Wochen nach Erteilung ab. Die Abwicklung der erforderlichen Formalitäten
ist kompliziert und kann eine längere Zeit in Anspruch nehmen.
Alternativ kann eine in Deutschland ansässige Agentur in Zusammenarbeit
mit einer libyschen die Abwicklung übernehmen. Vorort sollten alle
Formalitäten (eventuell mit Unterstützung englisch oder französisch
sprechender Einheimischer oder durchreisender Tunesier) auch ohne die
Hilfe einer Agentur zu bewältigen seien. Das für die Weiterreise durch
Afrika ohnehin erforderliche internationale Carnet de Passage wird,
entgegen anders lautenden Behauptungen unseriöser Agenturen (vgl.
Info zu SARO und SARI), auch in Libyen problemlos akzeptiert.
Nach unseren Informationen ist die Einfuhr von GPS - Geräten offiziell
erlaubt, das Mitführen von Funkgeräten hingegen verboten. Bezüglich
Satellitentelefonen liegen uns keine gesicherten Informationen vor. Wir
haben es uns zur Angewohnheit gemacht, technisches Gerät vor den
Grenzkontrollen zu demontieren und im Wagen zu verstauen. Im Land haben
wir unser Satellitentelefon nicht im Beisein anderer benutzt. Die
Kontrollen an der Grenze bleiben offenbar in aller Regel oberflächlich.
Die Einfuhr von Alkohol und Lebensmittel ist offiziell verboten
(vergleiche auch Abschnitt „Alkohol).
Im Land besteht „Führerpflicht“. Der Begleiter kann im eigenen Auto
mitgenommen werden und kostet dann 25 € pro Tag. Benötigt er selbst
einen Wagen, werden 100 € pro Tag fällig. (auch für eine Gruppe von
Fahrzeugen ist ein Führer ausreichend). Hinzu kommen die Kosten für die
Rückreise von der ägyptischen Grenze bis zum Sitz der vermittelnden
Reiseagentur, sowie die Kosten für Unterkunft und Verpflegung.
Die Aufgabe des Begleiters bleibt unklar. Man kann sich frei im Land
bewegen, genaue Fahrstrecke und Übernachtungsplätze auch spontan selbst
festlegen. Wir hatten nie das Gefühl, von unserem Führer in irgendeiner
Form überwacht zu werden, obwohl er nach eigener Aussage die Anweisung
hatte, uns ununterbrochen zu begleiten. Einmal nächtigten wir aber in
Tripolis auf einem Parkplatz, während wir ihn in einer Jugendherberge
einquartierten, so dass er uns wenigstens während der Nacht nicht unter
Kontrolle hatte.
Immer wieder hören wir, dass man den Führer sobald man sich außer
Sichtweite der Grenze befindet absetzen könne. Wir haben niemanden
persönlich kennen gelernt, bei dem das so gelaufen wäre. Eine
diesbezügliche Anfrage unseres Führers bei seiner Agentur wurde negativ
beschieden. Unterwegs haben wir andere Afrikafahrer getroffen, die ein
Transit - Visum für Libyen (sieben Tage) hatten uns so angeblich keinen
Führer benötigten. Nach Auskunft der Firma SARO gibt es keine Transit -
Visa, wir haben das vor der Abreise nicht überprüft und werden den
Artikel über SARO diesbezüglich wohl noch einmal überarbeiten
müssen.
Im Land sind zahlreiche Polizeikontrollen zu passieren, fast jedes Mal
mussten von unserem Mann dabei irgendwelche Papiere ausgefüllt oder
Bescheinigungen von den Grenzbehörden abgegeben werden.
Für die Orientierung im Land und zum Dolmetschen kann der Führer
hilfreich sein: sämtliche Schilder sind ausschließlich in Arabisch
beschriftet, man trifft nicht sehr häufig auf Einheimische, die
irgendeine Fremdsprache beherrschen.
Nach der Einreise muss man sich im Land bei einem Immigration Office
melden, wo man den so genannten Dreiecksstempel erhält. Entsprechende
Büros gibt es z. B. ins Zuara oder in Tripolis (Donnerstag Nachmittag
und Freitag geschlossen, N 32°53.045“, E013°10.547“).
Alkohol:
Die Einfuhr alkoholische Getränke ist offiziell verboten. Bei uns
beschränkte sich die Kontrolle auf eine Frage. Andere Autos sollen recht
gründlich durchsucht worden sein. Wir haben Fahrer getroffen, die einen
Teil ihrer Alkoholvorräte am Zoll präsentiert haben - ohne Konsequenzen.
Angeblich soll es auch vorkommen, dass illegal eingeführte Waren
beschlagnahmt und bei der Ausreise (über den gleichen Grenzübergang!)
zurückgegeben werden. Von Strafen für Verstöße haben wir bislang nie
etwas gehört. Im Land ist Alkohol offiziell nirgendwo erhältlich. Vor
dem Schwarzmarkt sei gewarnt: unser Führer berichtete, in seiner
Heimatgemeinde seien sechs Männer nach dem Genuss gepanschter Alkoholika
gestorben.
Geld
1 € = 1,65 Libysche Dinare (LD). Der Kurs ist damit praktisch identisch
mit dem Kurs für Tunesische Dinare (TD). Ein- und Ausfuhr von LD ist
offiziell verboten, von entsprechenden Kontrollen haben wir allerdings
nie gehört. Restliche TD (1 TD für Gebühren an der Grenze
zurückbehalten!) kann man einfach und problemlos in Tunesien auf dem
Schwarzmarkt in LD tauschen, in Grenznähe stehen zahlreiche Männer an
der Straße und wedeln mit dicken Geldbündeln. In Ben Guerdane (Tunesien)
gibt es eine ganze Straße mit Ständen von Geldwechslern. All das
geschieht unter den Augen der Polizei. Der Schwarzmarktkurs
unterscheidet sich kaum vom offiziellen Kurs. Restliche libysche Dinare
bei der Ausreise nach Ägypten ebenfalls auf dem Schwarzmarkt tauschen
(einzelne Händler in Amsaad oder direkt vor dem libyschen
Kontrollposten). Am Bankschalter im ägyptischen Zollgebäude werden
(entgegen anders lautender Angaben in der Literatur) LD nicht
akzeptiert.
In Libyen gibt es keine Geldautomaten und offenbar tauschen auch Banken
keine Devisen in Landeswährung. Daher ausreichend Geld bei der Einreise
tauschen. Wir haben in Leptis Magna bei dem Reiseleiter einer deutschen
Reisegruppe noch einmal „ nachgetankt“ (Touristen trifft man an der
Transitstrecke nur in Leptis Magna, Tripolis, eventuell in Sabratha).
Preisniveau
Sättigende Mahlzeit im Schnellrestaurant 1 bis 2 €, im Restaurant 5 €
inklusive alkoholfreier Getränke. Bett in Jugendherberge (ohne Ausweis)
3 bis 4 €, Stellplatz im Hof in der gleichen Größenordnung. Einfaches
Hotel: Doppelzimmer ohne Bad circa 6 €, mit Bad 10 bis 12 €. Diesel 0,09
€ pro Liter. Zigaretten ab circa 4 € pro Stange. Alkoholische
Getränke sind nicht erhältlich. Wir brauchten für eine Woche inklusive
Eintritts- und Trinkgelder, 430 l Diesel und vier Stangen Zigaretten
knapp 200 €.
Übernachtung
Entlang der Transitstrecke gibt es keine offiziellen Campingplätze, in
den Städten einfache Hotels (für den des Arabischen nicht kundigen nicht
als solche zu erkennen. Hotel heißt auf Arabisch „Funduk“). Freie
Stellplätze zu finden ist schwierig: im Westen ist das Land dicht
besiedelt und bebaut, im Osten fährt man über hunderte von Kilometern
durch eine flache Steppe, vor fremden Blicken geschützte Plätze sind
hier kaum zu finden.
Wir nächtigten in Sabratha auf dem Hof der Jugendherberge (GPS: N 32°
48.022', E 012° 29.358'), in Tripolis auf einem bewachten Parkplatz im
Zentrum (N 32° 53.660', E 013° 10.844'), in Leptis Magna auf dem
Besucherparkplatz (saubere Duschen, WC) (N 32° 38.096', E 014° 17.258'),
in einem Dorf in der Steppe bei Privatleuten (N 31° 27.345', E 015°
15.214') (am Ort aber offenbar auch ein Hotel), in Ajdabya in
einem einfachen, nicht sehr sauberen und lauten Hotel (N 30° 45.457', E
020° 13.431') (es gibt noch mindestens ein weiteres Hotel in der Stadt,
ganz in der Nähe) und in Amsaad in einem der beiden Hotels (keine
Koordinaten).
Routenwahl
Die einzigen für Nichtaraber passierbaren Grenzübergänge sind derzeit
Ras Ajdir nach Tunesien und Amsaad/Soloum nach Ägypten. Deshalb gab es
für uns keine wirkliche Alternative zu der von uns gewählten Route. Eine
kurze Überlegung wert sein könnte der Umweg über die Küstenstraße von
Ajdabya über Bengazi (dort auch Visum für Ägypten erhältlich, allerdings
nur 1 Monat Gültigkeit) und Al-Bayda nach Tobrok. An dieser Strecke
liegen zwei wohl sehenswerte antike Ausgrabungsstädten, landschaftlich
bietet sie jedoch nach den uns vorliegenden Informationen keinen
besonderen Reiz und verlängert den Transit um mehr als 300 km.
Wir kennen Leute, die Libyen über Djebel al Awaynat im Südosten des
Landes illegal verlassen haben und so direkt in den Sudan eingereist
sind. Für diese Strecke ist eine komplette Wüstenausrüstung und
entsprechende Erfahrung unbedingt erforderlich. Sollte man von libyschen
Militär aufgegriffen werden, ist mit erheblichen Konsequenzen zu
rechnen. Sollte es nicht gelingen, den libyschen Behörden nach der
Ausreise glaubhaft zu machen, dass das Fahrzeug wieder ausgeführt wurde,
sind aus einem außerdem hohe Zollgebühren fällig.