Aus der Traum
Der Plan einer Besteigung des aktiven Vulkans Nyiragongo
Wir fahren nach Gisenyi. Gisenyi ist die Hauptstadt der gleichnamigen
Provinz und wären da nicht die verschlammten Straßen, die weißen
Landcruiser der UN und das Hauptquartier des Internationalen Roten
Kreuzes, könnte die kleine Stadt auch an einem der großen Seen in
Oberitalien liegen. Es gibt zahlreiche schicke Hotels und an der
Uferpromenade des Kivu Sees wurde ein gepflegter Park angelegt. Jenseits
der Grenze, mit Gisenyi fast zusammengewachsen, liegt die kongolesische
Großstadt Goma. Große Teile der Stadt wurden im Januar 2002 durch einen
Ausbruch des Nyiragongo zerstört. Der Vulkan ist noch immer aktiv und
die Besteigung des 3500 m hohen Feuerbergs verspricht aufregende
Erlebnisse. Allerdings gilt der Osten der DR Kongo als notorisch
unsicher und in den letzten Wochen war es in der Region wieder einmal zu
Kämpfen zwischen Regierungstruppen und einer der zahlreichen
Rebellenvereinigungen gekommen (vergleiche auch Exkurs „Gott segne euch
- Gibt es Hoffnung für das Katastrophenreich DR Kongo). Wir wollen also
keineswegs leichtfertig in das Land einreisen und beschließen, genaue
Erkundigungen einzuholen.
Die Gegend um den kleinen Grenzposten fällt nicht durch eine
außergewöhnliche Präsenz von Polizei oder Militär auf, die Abfertigung
der Grenzgänger macht einen für afrikanische Verhältnisse geordneten
Eindruck, allerdings stehen in einer Nebenstraße Dutzende von Lkw aus
allen Ländern der Region und es ist nicht ersichtlich, warum sie nicht
zur Grenze vorgelassen werden. Ein französischer UN Mitarbeiter, der in
der Schlange vor dem Schalter steht, bezeichnet die Lage in Goma als
„ruhig“ und auch der Wachmann vom Internationalen Roten Kreuz hat nichts
Gegenteiliges gehört.
In Goma gibt es zwei Tourveranstalter, die die Besteigung des Nyiragongo
organisieren. Im Internet finden wir ihre Telefonnummern, unter keiner
dieser fünf Nummern ist allerdings jemand zu erreichen.
Am Abend treffen wir Jana, eine junge Deutsche aus Rheinland-Pfalz, die
hier im Rahmen eines Partnerschaftsprojekts ein Volontariat absolviert.
„Schon zwei Monate bin ich hier. Den Besuch von Goma wollte ich mir für
den Schluss aufheben“, erzählt sie. „Aber jetzt ist Krieg in der Region
und mitten in der Stadt, die bislang immer als sicher galt, hat es vor
10 Tagen am helllichten Tage eine Schießerei gegeben. Dutzende von
ruandischen Händlern sind in Panik über die Grenze geflohen. Niemand
weiß, wer die Täter waren. Unsere Organisation verbietet uns derzeit,
die Grenze zu überqueren.
Wir finden einen Stellplatz bei einem Restaurants direkt am See und
rufen am nächsten Tag die deutsche Botschaft in Kinshasa an. „Die Lage
ist unübersichtlich“, erklärt man uns, „die Regierung der DR Kongo hat
keine Kontrolle über das Gebiet um Goma. Wir raten dringend ab von einem
Besuch der Stadt und der Region und können im Notfall keine Hilfe
leisten“.
Aus der Traum. Erta Ale, Ol Doinyo Lengai und Nyiragongo: So heißen die
drei aktiven Vulkane Afrikas. Zwei konnten wir aus Sicherheitsgründen
nicht besuchen (vergleiche auch unseren Exkurs „Die
Danakil, die Entführung und was das alles mit uns zu tun hat“), bei
einem kamen wir gerade noch rechtzeitig (vergleiche „Keine
Träume mehr - Die Besteigung des Ol Doinyo Lengai“ )…