Ein- und Ausreise
Sudan hat gemeinsame Grenzen mit Ägypten, Eritrea, Äthiopien, Kenia,
Demokratische Republik Kongo, Zentralafrikanische Republik, Tschad und
Libyen. Offizielle Grenzübergänge, die für Ausländer passierbar sind,
existieren derzeit nur mit Ägypten, Eritrea (bei Kassala, Travelpermit
erforderlich), Äthiopien und dem Vernehmen nach neuerdings mit der
Zentralafrikanischen Republik (Einreise über Malakal, von dort mehrere
Tage per Frachtboot nach Juba im Südsudan, Travelpermit erforderlich.
Ein Grenzübergang nach Kenia soll Gerüchten zufolge bald eröffnet werden
(zur Einreise via Libyen siehe Reisepraktische Informationen Libyen).
Die derzeit einzige der Verbindung zwischen Ägypten und dem Sudan führt
über den Nasser - Stausee. Im Dezember 2006 gab es in Ägypten eine
Pressemeldung, wonach eine Straßenverbindung (über Abu Simbel) ausgebaut
werden soll. Der Grenzübergang am Roten Meer ist für Ausländer nicht
passierbar.
Für den Transport von Fahrzeugen über den See gibt es folgende
Möglichkeiten:
1. Ausreichenden Bedarf vorausgesetzt wurde bislang (dieser Service
wurde eventuell inzwischen eingestellt) an das jeden Montag von Assuan
nach Wadi Halfa verkehrende Passagierboot ein Ponton angehängt. Der
Fahrpreis betrug 2540 LE (circa 360 €). Bis zu eine Person pro Fahrzeug
konnte auf dem Ponton mitfahren, die Kosten für das Passagierboot
belaufen sich pro Person auf circa 55 € in der 1. Klasse (Kabine mit
Stockbett) und circa 40 € in der 2. Klasse (Deckpassage, im Winter
nachts sehr kalt).
2. Anmietung eines eigenen Frachtboots. Kosten circa 2700 bis 3000 €.
Gesellschaften, die auf verlässliche Termine angewiesen sind, mieten
solche Boote an, gelegentlich ergibt sich eine günstige
„Mitfahrgelegenheit“. Der Transport von Personen auf diesem Boot ist
Verhandlungssache.
3. Bei Bedarf fährt gelegentlich ein kleineres Frachtboot. Die Preise
variieren nach Auslastung. Wir kamen aus einem solchen Boot zusammen mit
anderen Afrikafahrern unter und bezahlten 3000 LE (circa 420 €) für
unser Fahrzeug (Motorräder 500 LE, circa 70 €). Das Frachtboot kann
Fahrzeugen mit einer maximalen Länge von circa 5,50 m befördern. Die
Fahrzeuge stehen quer auf dem Boot zwischen Bergen von Waren. Es gibt
keine Rampen für die Auf- und Abfahrt. Ausreichend Bodenfreiheit
erforderlich. Personen werden auf dem Frachtboot nicht transportiert
(vergleiche auch 1.).
Der „Hafen“ von Wadi Halfa liegt einige Kilometer von der „Stadt
entfernt“ (circa 45 Minuten zu Fuß, mit dem Landrover - Pick-up circa 2
Euro pro Person). Kommt man nicht gleichzeitig mit dem Fahrzeug an, muss
man einen oder mehrere Tage in Wadi Halfa übernachten. Es gibt eine Hand
voll einfache Hotels und Restaurants (Siehe auch unser Reisebericht
Von Wadi Halfa nach khartum).
Die Einreiseformalitäten sind kompliziert und Zeit raubend. Die
persönlichen Daten und Reisepläne werden mehrfach abgefragt und
umständlich in verschiedene Bücher notiert. Für die Abwicklung der
Zollformalitäten für die Einfuhr von Fahrzeugen ist ein Agent
erforderlich. Die Beamten sprechen keine Fremdsprache und lassen sich
diesbezüglich auf keine Diskussionen ein. Es steht jeweils nur ein Agent
zur Verfügung, offenbar wird nach einem rotierenden System gearbeitet
(insofern macht auch die oft zu lesende Warnung vor dem
„berühmt-berüchtigten zahnlosen Kemal“, (der sich offenbar inzwischen
Mr. Haider nennt), keinen Sinn - wenn er „Dienst“ hat, muss man ihn
nehmen).
Es sind verschiedene Steuern und Gebühren zu bezahlen, über die jeweils
eine Quittung ausgestellt wird. Eine von uns verlangte „Local Tax“ gibt
es nicht (Vorsicht: der Name und die Höhe dieser „Gebühr“ könnte sich
ändern!).
Die Abwicklung der Formalitäten zieht sich über mehrere Stunden, die
Behörden schließen abends um 17:00 Uhr, so dass nach Ankunft des
Fahrzeugs ein voller Tag vergehen kann, bis man aus dem Zollhof fahren
darf.
Der Agent verlangt für seine Dienste eine Gebühr, bei uns 3000 SD (circa
12 €) pro Fahrzeug. Wir haben Leute kennen gelernt, die diese Gebühren
nicht bezahlt haben (Vorsicht: die Kontrolle des Fahrzeugs erfolgt erst
hinterher und der Agent arbeitet mit den Beamten vom Zoll zusammen!).
Nach der Einreise muss man sich im Land innerhalb von sieben Tagen
registrieren lassen. Das kann auch gleich in Wadi Halfa erfordern
erfolgen und kostet dort circa 35 $ (in khartum angeblich etwa 40 $).
Zollbestimmungen und Kontrollen
Zur Einfuhr von Fahrzeugen siehe oben. Das Carnet de Passage ist
obligatorisch, allerdings wird nicht, wie in Ägypten, die Motornummer,
sondern nur die Fahrgestellnummer kontrolliert.
Die Einfuhr von Alkohol, Waffen, pornographischen Schriften (sehr weite
Auslegung!) und so weiter ist verboten. Die Einfuhr von „wertvollen
Gegenständen“, wie zum Beispiel Laptops und Videokameras, ist
deklarationspflichtig, es gibt keine Deklarationspflicht für Devisen.
Entsprechende Papiere werden bei der Ausreise kontrolliert. Wir haben es
so gehalten, wie schon vorher in Libyen und Ägypten (vergleiche
entsprechende Abschnitte).
Die Intensität der Kontrollen ist sehr unterschiedlich. Freunde von uns
wurden überhaupt nicht durchsucht, wir beobachteten andere, bei denen in
einem Koffer eine Flasche Wein entdeckt wurde, daraufhin wurde das ganze
Fahrzeug auseinander genommen. Die Betroffenen waren leider nicht
bereit, uns gegenüber zu eventuellen weiteren Konsequenzen Auskunft zu
geben. Bei uns wurde der Wagen bei geöffneten Hecktüren von außen
inspiziert, wir wurden aufgefordert, verschiedene Taschen und Schränke
zu öffnen, es stieg aber kein Beamter ins Fahrzeug.
Geld
Der Reisende wird im „Nordsudan“ gleich mit drei Währungen konfrontiert
(im Südsudan kommen noch der Kenia - Schilling, der Uganda – Schilling
und der US-Dollar hinzu). Anfang der 1990 er Jahre wurde das Alte
Sudanesische Pfund durch den Sudanesischen Dinar (SD) abgelöst, seit
Januar 2007 gilt das Neue Sudanesische Pfund. Die Relationen der
Währungen betragen 1000 Alte Pfund = 100 SD = 1 Neues Sudanesisches
Pfund. Die Preise werden in der Regel in Alten Pfund angegeben, bezahlt
wird in SD, neuerdings sind auch Scheine vom Neuen Pfund im Umlauf.
1 Euro = 250 SD. In Wadi Halfa soll es eine Bank geben, man kann Bargeld
in US-Dollar und Euro aber bequem und unbedenklich zu fairen Raten auf
dem Schwarzmarkt tauschen /von Äthiopien kommend und bei der Ausreise
nach Äthiopien schlechter Kurs auf dem Schwarzmarkt. Dort keine Bank).
In Dongola wurden wir beim Versuch, in einer Bank Geld zu tauschen, auf
einen Supermarkt verwiesen. In khartum gibt es zahlreiche private
Wechselstuben. Plastikgeld ist im Land weitgehend wertlos: Die
Geldautomaten in khartum akzeptieren nur einheimische Karten, in
khartum soll es aber eine Bank geben, wo auf VISA- beziehungsweise
MASTER - Card Dollars ausbezahlt werden (Bank Byblos (Libanon), die Lage
der Bank wird folgendermaßen beschrieben: die Bank befindet sich in der
Nähe des Deutsch-Sudanesischen Clubs, in einer Seitenstraße am Rande
eines großen unbebauten Platzes, vis a vis der Industry Development
Bank; Dank an Waltraud!). Abseits der „Durchreiseroute“ gibt es keine
Möglichkeit, Geld zu tauschen. Offenbar gibt es (im Gegensatz zu allen
anderen afrikanischen Ländern außer Libyen) auch keine Büros der Western
Union Money Transfer, also um unbedingt ausreichend Bargeld, am besten
in US-Dollar mitbringen.
Preisniveau
Sudan ist sehr viel teurer als die Nachbarländer Ägypten und Äthiopien.
Insbesondere in khartum ist das Preis-Leistungs-Verhältnis für Hotels
selbst nach europäischen Maßstäben sehr schlecht (vergleiche Absatz
Übernachtung).
Preisbeispiele
Diesel in khartum 100 SD (0,40 € pro Liter) (die Preise für
Treibstoff steigen mit der Entfernung von khartum beziehungsweise Port
Sudan, in der Provinz bis über 200 SD pro Liter) (es wird in Litern,
nicht mehr in Gallonen gerechnet). Einfache Mahlzeit im (Schnell-)
Restaurant ab 1 €, mit Fleisch ab etwa 1,70 €, in besseren Restaurants
ab 8 €, Softdrinks um 0,40 €, Tee oder Kaffee um 0,20 €, Zigaretten ab 8
€ pro Stange, Alkohol offiziell nicht erhältlich. Übernachtung siehe
dort.
Übernachtung
In Sudan gibt es nur zwei offizielle Campingplätze, beide in khartum
(Blue Nil Sailing Club, N 15° 36.670', E 032° 32.030', direkt am Nil,
Moskitos, Malaria kommt vor! und National Camping Residence, N 15°
31.430', E 032° 34.198', etwa 10 km von Stadtmitte, sehr viel billiger).
Freies Campen außerhalb der Städte überall problemlos, in kleinen
Dörfern beim Dorf - Chef nachfragen. Auf dem Land gibt es nur sehr
wenige Hotels, auf der Strecke Wadi Halfa - Dongola (etwa 450 km)
unseres Wissens nur ein einziges und zwar in Abri. In den einfachen
Hotels (Locandas) zahlt man pro Bett, man hat keinen Anspruch auf ein
eigenes, abschließbares Zimmer, sofern man nicht alle Betten im Zimmer
bezahlt (ab etwa 1 €, meist aber etwa 3 €/Bett, meist drei bis fünf
Betten in einem Zimmer). Etwas bessere Hotels (vergleiche auch Bericht
Sudan) verlangen etwa 12 bis 25 € pro Doppelzimmer mit Bad. Außerhalb
von khartum scheint es überhaupt keine Hotels mit warmem Wasser zu
geben. In khartum gibt es selbst in der 50 € Klasse noch kein warmes
Wasser, (dafür aber Abfälle vom Vorgänger im Zimmer).
Travelpermits und Kontrollen
Für die „Durchreiseroute“ sind keine Permits erforderlich. Fest
installierte Kontrollposten wie in Ägypten gibt es nur südlich von
khartum (nicht auf der „Durchreiseroute“). Hält man aber irgendwo an,
ist ein Polizist sicher nicht weit. Auf der „Durchreiseroute“ muss man
sich in Dongola registrieren lassen, bevor man in ein Hotel einchecken
kann. Für Reisen abseits der „Durchreiseroute“ (außer archäologische
Stätten) benötigt man Permits, die in
kleinen Nest kontrolliert
werden. Obligatorisch ist das Travelpermit für die Route Kassala - Port
Sudan und für Reisen südlich von khartum (erhältlich beim HAC,
khartum, N 15° 35.405', E 032° 31.806', zwei Passbilder, 8700 SD (circa
35 €). Nützlich ist ein Fotopermit (kostenlos bei der Touristen
Information in khartum, N 15° 36.142', E 032° 31.917')
Wird fortgesetzt.
Konkrete Anfragen an
info@hinter-dem-horizont.net